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Renaturierung von Mooren

Über 90 Prozent der deutschen Moore sind bereits seit vielen Jahrzehnten entwässert. Durch den resultierenden Sauerstoffkontakt unterliegt das Material einer stetigen Mineralisation, wodurch der Torf kontinuierlich abgebaut und CO2 freigesetzt wird. Nur durch eine Wiedervernässung der Fläche kann dieser Vorgang langfristig gestoppt werden. Da der Torfabbau nur auf bereits trockengelegte, zuvor überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen zurückgreift, findet auf diesen Flächen also bereits im Vorfeld des Abbaus eine Torfzersetzung und damit die Freisetzung von klimarelevanten Gasen statt.

Die Folgenutzung des Torfabbaus für den Naturschutz wird in der Abbaugenehmigung rechtsverbindlich festgeschrieben. Vorrangiges Ziel ist für die Folgenutzung nach Torfabbau die Hochmoorregeneration. Diese setzt eine erfolgreiche Wiedervernässung, nährstoffarme Bedingungen und ein Samenpotential der Hochmoorvegetation voraus.

Auf landwirtschaftlichen vorgenutzten Flächen verläuft die Entwicklung der Vegetation mit der Vernässung zunächst in Richtung von Nieder- oder Übergangsmoorgesellschaften. Ziel der Torfindustrie ist es, durch hohe Anforderungen an die Abbautechnik die landwirtschaftlichen Vorbelastungen (Nährstoffeinträge, Samenpotential) möglichst weitgehend aus der Fläche zu entfernen und in der Folgenutzung entsprechend schnell eine Hochmoorentwicklung einzuleiten. Für Flächen, auf denen die natürlichen Voraussetzungen keine Vernässung zulassen, werden andere natürliche Entwicklungen geplant.

Der Leitfaden zur Zulassung des Abbaus von Bodenschätzen (Anlage 3)(1) sieht als alternative Möglichkeit zur Wiedervernässung die Rekultivierung auf Resttorfen zur extensiven Grünlandnutzung vor. Die technischen Details der Wiedervernässung wurden durch das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung NLfB (heute LBEG) in den Geofakten 14(2) zusamengetragen.

Nach dem Ende des Torfabbaus ist die Wiedervernässung technisch in wenigen Wochen bis Monaten vorzubereiten. Die Moorhydrologie wird sich anschließend im Verlauf von ein bis drei Jahren wieder einstellen. Die Vegetationsentwicklung im Rahmen der Hochmoorregeneration beginnt mit Schwingrasengesellschaften. Insbesondere das schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) und das Spieß-Torfmoos (Sphagnum cuspidatum) prägen diese Entwicklung und bauen über einige Jahre bis Jahrzehnte eine Vegetationsschicht auf. Wenn die Moorwasserstände in dieser lebenden Schicht des Moores stabil sind und sich pH-Wert und Nährstoffarmut eingestellt haben, können sich Bult-Gesellschaften etablieren und schließen somit die Regeneration eines torfbildenden, wachsenden Hochmoores ab. Erste Beispiele für diese Entwicklung sind in Norddeutschland vorhanden.

(1) Niedersächsisches Umweltministerium 2008: Leitfaden zur Zulassung des Abbaus von Bodenschätzen unter besonderer Berücksichtigung naturschutzfachlicher Anforderungen. 3. Auflage. Hannover
(2) NLfB 2004: Geofakten 14. Praktische Hinweise zur optimalen Wiedervernässung von Torfabbauflächen. Hannover 

(3) Schmatzler (2012): Die Torfindustrie in Niedersachsen - Ergebnisse einer Umfrage zur Zukunft der Torfgewinnung in Niedersachsen, TELMA, Bd. 42, S.27-42. Hannover

Zahlen, Daten, Fakten

  • Seit Aufstellung des niedersächsischen Moorschutzprogrammes wurden rund 15.000 ha
    erfolgreich und nachhaltig als Moorstandorte nach dem Abbau gesichert.(3)
  • Stand 2018 liegt die Abbaufläche in Deutschland bei weniger als 9.000 ha, Tendenz abnehmend.(3)
  • Bult = Bezeichnung für eine mit Gräsern und/oder Moosen bewachsene Bodenerhebung in Mooren
  • Die Bundesregierung hat den Moorbodenschutz im Klimaschutzplan 2050 verankert
  • Im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung sind unter anderem Maßnahmen zum Schutz von Moorböden einschließlich der Reduzierung der Torfverwendung festgelegt.