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Ökobilanzierung von Kultursubstraten

Quantis-Studie

Eine Studie von 2012, die der ehemalige Europäischer Torf- und Substratverband (EPAGMA, heute GME) bei dem renommierten, auf Ökobilanzen spezialisierten, Schweizer Forschungsbüro Quantis in Auftrag gegeben hat, untersucht die Umwelteinflüsse unterschiedlicher Substratausgangsstoffe.

Bei der Erarbeitung der Life-Cycle-Assessments wurden insgesamt 9 Substratausgangsstoffe betrachtet. Darunter waren Rinde, Kokosmark, Grüngutkompost, Mineralwolle, Schwarz- und Weißtorf, Perlite, Reisspelzen und Holzfasern. Dabei wurden Substratmischungen gewählt, deren Eigenschaften für die jeweiligen Anwendungsfelder identisch sind.
Die einzelnen Ausgangsstoffe wurden für den gesamten Lebenszeitraum bewertet, d.h. alle Stationen von der Gewinnung über Transport, Verarbeitung, Distribution und Nutzung bis zu ihrem sogenannten End-of-Life-Stadium. Dabei wurden z.B. bei Torf der Zustand der Gewinnungsfläche vor dem Abbau, die Renaturierung, sowie die  Alternativnutzungen der Lagerstätte mit in die Bewertung einbezogen. Die Bewertung erfolgte hinsichtlich folgender Kategorien:

  • Beeinträchtigung des Klimaschutzes
  • Qualität des Ökosystems (z.B. Biodiversität, Gewässerschutz, Landverbrauch)
  • Rohstoffverbrauch (nicht nachwachsende Rohstoffe)
  • Menschliche Gesundheit (z.B. gesundheitsschädigend, krebserregend, Ozon)

Die Untersuchung zeigte, dass alle Ausgangsstoffe und somit die aus ihnen hergestellten Substrate einen Einfluss auf alle vier genannten Indikatoren haben, diese aber unterschiedlich stark ausfallen.

  • Die Analyse zeigte, dass kein Ausgangsstoff als der am meisten oder am wenigsten Beeinträchtigende identifiziert werden kann.
  • Für viele Ausgangsstoffe spielt deren Transport eine signifikante Rolle hinsichtlich der Umweltbeeinträchtigung. Diese trifft für alle Fertigsubstrate bei deren Absatz/Verteilung zu.
  • Torf hat einen höheren Einfluss auf den Klimawandel, während Grüngutkompost und Mineralwolle einen höheren Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben.

Die größte Beeinträchtigung für das Ökosystem verursachten laut dieser Studie Kokosmark und Kokosfasern wegen des Landverbrauchs und des weiten Transports, bei dem hohe Emissionen entstehen. Vergleichsweise gut schneidet Torf bei der „Qualität des Ökosystems“ ab, weil die Verbesserung der Flächen durch die Wiedervernässung mit betrachtet werden muss. Für die Herstellung von Grüngutkompost fallen hohe Emissionen an. Ins Gewicht fallen insbesondere die Transportwege des dezentral anfallenden Schnittgutes zu einer zentralen Kompostierungsstelle sowie der anschließende Transport des vergleichsweise schweren Materials (deutlich höhere Schüttdichte als Torf) zur weiteren Verwendung. Die Substitution einzelner Zuschlagstoffe führt nur bedingt zu einer Verringerung der Umweltauswirkungen. Wird beispielsweise Torf durch Kokosfasern ersetzt, sinkt zwar der negative Einfluss auf den Klimawandel, gleichzeitig jedoch steigen die negativen Auswirkungen auf den Parameter „Qualität des Ökosystems“.

Aktuell: 

  • Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) schrieb über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) 2021 die Entwicklung und Implementierung eines internationalen Zertifizierungssystems für Torfersatzstoffe aus. Den Zuschlag bekam die Meo Carbon Solutions GmbH, die bis 2025 mit der Umsetzung beauftragt ist.
  • Zudem fördert das BMEL das Verbundprojekt MITODE (MInderung des TOrfeinsatzes in DEutschland) zur Klärung von Fragen der Anpassung gartenbaulicher Produktionsverfahren, der Verfügbarkeit von alternativen Stoffen und deren ökologische, ökonomische und soziale Wirkungen.
  • Ergebnisse der von der FNR durchgeführten Online-Tagung „Ökobilanzierung von Kultursubstraten“ vom 23. November 2021 stehen hier zum Download zur Verfügung: Link 

Die besten Effekte werden erzielt durch:

  • Verringerung der Transportwege durch ein intelligentes Stoffstrommanagement.
  • Entwicklung neuer Produktionstechnologien.
  • Priorisierung von bereits entwässerten Torflagerstätten und zeitnaher Renaturierungsmaßnahmen nach der Torfgewinnung, um unerwünschte Treibhausgasemissionen zu vermeiden.

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Quantis-Studie