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Klimabilanz natürlicher Moore

Moore als Kohlenstoffsenke

Natürliche Hochmoore haben zunächst einmal eine ausgeglichene Klimabilanz, sie setzen einerseits „klimaschädliches“ Methan frei, nehmen andererseits Kohlenstoffdioxid (CO2) auf und speichern es in den akkumulierten Torfen. Moorgebiete sind dadurch gigantische Kohlenstoffspeicher. Durch das in funktionsfähigen Mooren vorherrschende nass-saure Milieu findet ein Abbau des abgestorbenen Pflanzenmaterials beinahe nicht statt, wodurch sich Torf bildet. Natürliche Moore, d.h. noch wachsende Moore, akkumulieren auf diese Weise 250 bis 350 kg Kohlenstoff pro Hektar im Jahr und entziehen so der Atmosphäre weltweit jährlich 150 bis 250 Mio. Tonnen CO2. Moorgebiete bedecken lediglich 3 Prozent Erdoberfläche, binden in ihren Torfschichten jedoch ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs – doppelt so viel wie die Wälder der Erde.(1)

Wurden Moore für eine Urbarmachung entwässert, so kehrte sich dieser Prozess um und Kohlendioxid wurde aus den durchlüfteten Torfen freigesetzt: Aus der Kohlenstoffsenke wurde eine Kohlenstoffquelle. Diese Situation trifft auf nahezu alle Moore in Deutschland zu, nur 8 Prozent (25.950 ha) der Moore sind in einem naturnahen Zustand. Der kritische Punkt aus Sicht des Klimaschutzes liegt also in der Entwässerung der Moore in den vergangenen Jahrhunderten: Seitdem sind durch die Oxidation der Torfe große Mengen an CO2 emittiert und die Prozesse halten unverändert an.

Naturnahe Hoch- und Niedermoore weisen trotz Kohlendioxidfestlegung durch Torfbildung in der Gesamtbilanz der klimarelevanten Gase (CO2, CH4, N2O) eine geringfügige Netto-Freisetzung von CO2-Äquivalenten auf.(1, 2) Grund hierfür ist die Methanfreisetzung, deren Klimawirksamkeit 21-mal höher ist als die von Kohlendioxid. Dabei handelt es sich jedoch um natürliche Treibhausgasemissionen aus naturnahen Mooren, die nicht zu den anthropogen verursachten Emissionen gerechnet werden.

Fazit: Die besondere Bedeutung natürlicher Moore für den Klimaschutz begründet sich durch die enorme Fähigkeit zur Akkumulation von Kohlenstoff (Kohlenstoffsenke).

Zahlen, Daten, Fakten

  • 5 Prozent der Landesfläche Deutschlands waren unsprünglich von Mooren bedeckt.(3)
  • 8 Prozent (25.950 ha) der verbliebenen Moore in Deutschland sind in einem naturnahen Zustand.
  • Lebendige Moore wachsen ca. einen Millimeter pro Jahr (also 10 cm in 100 Jahren) in die Höhe.(3)
  • In ehemaligen und aktuellen Moorflächen Deutschlands lagern noch etwa zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoff.(3)
  • Moore sind Lebensraum von vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten.
  • Nasse Moore dienen als Puffer und wirken ausgleichend auf den Wasserhaushalt ihrer Umgebung.
  • 7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands liegt auf entwässerten Mooren.(3)
  • 38 Prozent beträgt der Anteil der Emissionen entwässerter Moore an den Gesamtemissionen der Landwirtschaft in Deutschland.(3)


(1) Parish, Sirin, Charman, Joosten, Minayeva, Silvius, Stringer (2008): Assessment on Peatlands, Biodiversity and Climate Change: Main Report. Global Environment Centre and Wetlands International. 179 S
(2) Höper, H. (2007): Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren, TELMA, Bd. 37, S.85-116 
(3) Abel u.A. (2019): Moore die unbekannten Klimaschützer, Katapult