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Bilanz der Klimarelevanten Gase im Torfabbau

Dem Torfabbau wird in Deutschland ein Anteil von 4,2 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus den Mooren zugeschrieben. Diese Emissionen teilen sich in zwei Bereiche:

  • Die Emissionen aus den entwässerten Abbauflächen (“on-site“ Emissionen) sind mit ca 4 Tonnen CO2-​Äquivalente (CO2e) pro Jahr und Hektar vergleichsweise gering.(1)
    Insgesamt geht es in Deutschland um Mengen von 0,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr.(2) Insbesondere im Vergleich zu der landwirtschaftlichen Nutzung, die vor dem Torfabbau auf den Flächen stattfindet, geht die Emission klimaschädlicher Gase (CO2, N2O und CH4) auf der Fläche zurück.
  • Die Emissionen aus der gärtnerischen Nutzung des verarbeiteten Torfes (“off-site“ Emissionen) werden anhand des jährlichen Gewinnungsvolumens und des Kohlenstoffanteils berechnet. Für die Berechnung wird bisher die Annahme getroffen, dass nach zehn Jahren der gesamte Torf in CO2 umgesetzt wurde. Aus der Relation des Kohlenstoffvolumens in der jährlich gewonnenen Torfmenge und der dafür genutzten Gewinnungsfläche errechnete Höper (2007) einen Emissionsfaktor von rund 15 Tonnen CO2-​Äquivalente je ha und Jahr.(1) 
    Tatsächlich verläuft die biochemische Umsetzung von Torf allerdings längerfristig. Aktuellere Messungen indizieren eine Umsetzung des Kohlenstoffes in einem Zeitraum von ca. 20 Jahren.(3)

Nach den Vorgaben der IPCC Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories (2006 - Chapter 7 wetlands) werden zu den “on-site“ Emissionen der Torfabbauflächen selbst auch die “off-site“ Emissionen aus der gärtnerischen Nutzung der Torfe dem Thema zugeschrieben. Der Anteil der “off-site“ Emissionen beträgt dabei über 90 Prozent.(4) Es ist daher kritisch zu diskutieren, ob die Emissionen aus der Nutzung der mit dem Torf produzierten Erden und Substraten der Torfindustrie oder dem jeweiligen Verbraucher zuzuordnen sind. Für fossile Energieträger werden die Emissionen nicht der fördernden Industrie, sondern dem Nutzer zugeschrieben.

Der hohe Wert für die aus dem Produkt freiwerdenden Emissionen schwankt mit den jährlichen Abbaumengen, die seit Jahrzehnten in Deutschland in der Tendenz abnehmen, und zugleich mit Veränderung in der Ausdehnung der Abbauflächen. In Deutschland gehen sowohl Abbaufläche als auch Abbaumengen seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück.(5)

Ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung der Thematik des Klimaschutzes ist in der langfristigen Entwicklung der Moorflächen zu sehen. Alle Nutzungen (Landwirtschaft, Torfabbau), die mit einer Entwässerung verbunden sind, führen zu THG-Emissionen sowie zu einer Reduzierung des Torfkörpers und sind somit endlich.

Der Torfabbau beansprucht jährlich je Hektar ein größeres Volumen des Torfes als die landwirtschaftliche Nutzung. Setzt man die jährliche Abbaumenge der deutschen Torfindustrie (ca. 6-8 Mio. m3) ins Verhältnis zu den in Anspruch genommenen Abbauflächen (rund 12.000 ha (6)), so ergibt sich ein jährlicher Abtrag von rund 5,8 cm. Die Angaben für die Oxidationsrate bei landwirtschaftlicher Nutzung schwanken zwischen 0,8 cm für extensives Feuchtgrünland (F+E Vorhaben Schäferhof /Dümmer, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) bis zu über 3 cm unter intensiver Ackernutzung.(7)

Das CO2-Potenzial der Torflagerstätte wird also während des Zeitraums des Torfabbaus im Vergleich zur landwirtschaftlichen Vornutzung in der Gesamtbetrachtung 2 bis 10-mal schneller abgebaut. Die CO2-Emission der abgebauten Torfe erfolgt jedoch nur zu einem geringen Anteil direkt aus der Fläche. Der überwiegende Anteil der Emissionen wird aus den Substraten und Erden freigesetzt, die aus dem abgebauten Torf produziert werden (off-site). Über die zeitlichen Abläufe dieser Prozesse fehlen bisher Langzeitstudien. Die Kalkulationen des Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), die zu der Bezifferung der Emissionen des deutschen Torfabbaus führen, gehen von einer Umsetzung dieser Torfe in CO2 im Verlauf von zehn Jahren aus.

Die Betrachtung der Abbauflächen (on-site) führt zu einem anderen Bild. Höper (2007) gibt für die Abbauflächen einen Wert von 3,2 Tonnen CO2-​Äquivalente (CO2e) je ha und Jahr an.(1) Dies entspricht naturnahen Sukzessionsstadien der Moorvegetation, wie sie häufig in deutschen Naturschutzgebieten auftreten und dort Quelle der Emissionen sind (Methan). Die Torfabbauflächen liegen somit bezüglich der Klimarelevanz deutlich unter der landwirtschaftlichen Vornutzung.

Interessant ist der Vergleich der Summen von on-site und off-site Emissionen des Torfabbaus und seiner gärtnerischen Nutzung im Vergleich zur landwirtschaftlichen Weiternutzung der Moorflächen. Die Abbildung aus Höper (2015) zeigt diesen Vergleich mit einem angenommenen Zeitraum von 10 Jahren für die Oxidation des Torfes in der gärtnerischen Nutzung.(8) Es wird deutlich, dass sich die THG-Emissionen unter einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und dem Torfabbau mit der gärtnerischen Nutzung der Torfe in durchaus vergleichbaren Größenordnungen abspielen.

Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die langfristige Entwicklung der Flächen dar. Die Genehmigungspraxis der letzten Jahrzehnte sieht für die Abbauflächen die Wiedervernässung mit Moorentwicklung vor. Damit sind die Standorte langfristig als organische Böden gesichert und entwickeln sich im Idealfall zu einer Kohlenstoffsenke.

Die landwirtschaftliche Nutzung hingegen endet entweder:

  • in einer Vernässung der Flächen aufgrund mangelnder Vorflut oder
  • mit dem vollständigen Verlust der Torfe und dem Übergang zu einem Mineralboden.

Bei der Vernässung aus der Nutzung heraus muss mit hohen Methan-Emissionen gerechnet werden, die nach Huth et al (2021) in einer Größenordnung von 24 t CO2e liegen.(9) Wie lange diese Methan-Emissionen aus der anaeroben Umsetzung der frischen Biomasse anhalten, ist nicht erforscht. Der Verlust der Moorböden durch die landwirtschaftliche Nutzung geht weit über den Torfabbau hinausgeht. Die Größenordnung wurde bei der Aktualisierung der Moorkarte in Brandenburg deutlich.(10)

Diese Betrachtungen zeigen die hohe Komplexität des Themas und die Schwierigkeit einer Bewertung. Nicht zuletzt hängt das Ergebnis einer Analyse von den Grenzen der Betrachtung ab:

  • Hochmoorgrünland ist Teil der Milchwirtschaft, die mit ihrem Viehbestand zu hohen Methan-Emissionen führt. Gerade bei dem Thema Methan will die EU aber kurzfristig deutliche Reduzierungen erreichen (EU-Methanstrategie).
  • In Kultursubstraten werden Pflanzen gezogen, die z.B. als Setzlinge für Aufforstungsmaßnahmen benötigt werden und so zur Kohlenstoffbindung beitragen.

Fazit

Letztlich lassen sich vielleicht zwei von einer gesellschaftlichen Mehrheit anzuerkennende Grundsätze definieren:

1. THG-Emissionen sollten bei der Herstellung und Nutzung von Substraten auf ein möglichst geringes Maß reduziert werden.

  • Die Erden- und Substratindustrie forscht seit den 1970er Jahren an dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Diese wurde durch den aufkommenden Naturschutz initiiert. Zunächst war es der Kompost, der Torf zu Teilen ersetzte, später kamen Holzfaser und Kokosfaser und eine Vielzahl anderer Stoffe hinzu. In jüngerer Vergangenheit sind es Stoffe der Paludikultur, die den Rohstoff Torf ersetzen sollen. Es bleiben qualitative und quantitative Probleme, die die Substitution des Torfes für verschiedene gärtnerische Einsatzfelder (Kulturen) unterschiedlich limitieren.
  • Die anzustrebende Entwicklung lässt sich so formulieren: "Nachwachsende Rohstoffe sollen für Erden und Substrate in dem Maß eingesetzt werden, wie sie:
    • qualitativ zur Herstellung sicherer Produkte geeignet sind und
    • quantitativ zu einem verantwortbaren Preis verfügbar sind"
  • Diesen Ansatz vertritt die IPS in ihrer Strategy for Responsible Peatland Management.

2. Der Beitrag, den ein Phasing Out (Verzicht) des Torfes in der gärtnerischen Nutzung zu der Reduzierung der THG-Emissionen aus den Mooren der Welt leisten kann, ist marginal.

  • Der Anteil der THG-Emissionen aus der gärtnerischen Nutzung des Torfes nimmt global einen Anteil von unter 2 Prozent an den globalen Emissionen aus den Mooren ein.(12) Mit über 90 Prozent ist es die landwirtschaftliche Nutzung der Moore, insbesondere in den Tropen, für die Lösungswege gefunden werden müssen. Eine Beendigung der Torfnutzung allein, die auch der Nahrungsmittelproduktion dient, löst das Problem nicht.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Der Torfabbau in Deutschland findet auf einer Fläche von knapp 12.000 ha statt, was 1 Prozent der gesamten Moorflächen (4 Prozent der Hochmoorflächen) des Bundesgebietes entspricht.
  • Mit jährlichen Emissionen von ca. 1,9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten besitzt Torfgewinnung einen Anteil von 6 bis 7 Prozent an allen emittierten klimarelevanten Gasen aus Mooren und insgesamt ca. 0,2 Prozent an den Gesamtemissionen Deutschlands.(1)
  • Der Abbau findet ausschließlich auf vormals entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Flächen statt, deren Mineralisation bereits stetig fortschritt.
  • Soll eine Gesamtklimabilanz gezogen werden, ist auch die Folgenutzung des Moores nach dem Torfabbau mit einzubeziehen.
  • Die Abbauflächen gehen heute nach einer durchschnittlichen Abbauzeit von 15 bis 20 Jahren in die Wiedervernässung. Dadurch wird die CO2-Freisetzung des Moorstandortes nachhaltig gestoppt.
  • Nach einigen Jahren wird mit dem Einsetzen des Moorwachstums und der Akkumulation von organischer Masse unter Sauerstoffabschluss wieder Kohlenstoff gebunden.
  • Wiedervernässte Flächen in der Esterweger Dose, im Großen Moor bei Uchte oder im Bourtanger Moor zeigen nach 10 Jahren bereits ein flächendeckendes Torfmooswachstum.(11)


(1) Höper, H. (2007): Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren, TELMA, Bd. 37, S.85-116. Hannover
(2) Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU Drucksache 20/1102, 18.03.2022, Antwort der Bundesregierung Drucksache 20/1276, 01.04.2022

(3) Bart Vandecasteele et al. (2020): Grow - Store - Steam - Re-peat: Reuse of spent growing media for circular cultivation of Chrysanthemum. Journal of Cleaner Production 276 (2020) 124128
(4) Chapter 7 Wetlands, Volume 4, 2006 IPCC Guidelines
(5) IVG (2012): Die Zukunft der Torfgewinnung in Niedersachsen. Untersuchung und Umfrage von E. Schmatzler im Auftrag der Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft/Fachabteilung Substrate, Erden, Ausgangsstoffe im Industrieverband Garten e.V.
(6) Parish, Sirin, Charman, Joosten, Minayeva, Silvius, Stringer (2008): Assessment on Peatlands, Biodiversity and Climate Change: Main Report. Global Environment Centre and Wetlands International. 179 S. 
(7) Hofer & Pautz GbR (2021): Unveröff. Studie zu Verlustraten des zentralen Bereiches im Ahlen-Falkenberger Moor.
(8) H. Höper (2015): Treibhausgasemissionen aus Mooren und Möglichkeiten der Verringerung. TELMA Beiheft 5, S.133-158 Hannover

(9) Huth et al (2012): Topsoil removal reduced in-situ methane emissions in a temperate rewetted bog grassland by a hundredfold
(10) Fell H., N. Rosskopf, A. Baureigel,B. Hasch, M. Schimmelmann & J. Zeitz (2015): Erstellung einer aktualisierten Moorkarte für das Land Brandenburg. TELMA Bd. 45, S. 75-104 - Hannover
(11) Blankenburg, J & TONNIS W. (2004): Guidelines for wetland restoration of peat cutting areas, Results of the BRIDGE-project, Geological Survey of Lower Saxony, Bremen.
(12) Zahlen nach: Wetlands International & Greifswald University (2010): The Global Peatland CO2 Picture. Peatland status and drained related emissions in all countries of the world. https://www.wetlands.org/publications/the-global-peatland-co2-picture/