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Torf in Deckerden

Nur der Einsatz von Torf garantiert die Versorgungssicherheit mit Champignons

Der europaweite Gemüse- und Obstanbau würde ohne Torfsubstrate nicht ausreichend produzieren können. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Deckerden aus Torf in der Pilzzucht. Denn für die Produktion des gängigsten Speisepilzes, dem Champignon, ist der Einsatz einer Deckschicht Substrat notwendig, die zu 90 Prozent aus Torf besteht. Für die Erzeugung dieser Nährböden werden jährlich ca. 500.000 m³ Torf verwendet. Nach aktueller Genehmigungslage wäre diese Menge an Torf aus Deutschland künftig nicht mehr abgedeckt.

Zur Gewinnung dieser Menge wäre mindestens eine neue Abbaufläche von 50 ha im Jahr erforderlich. Unter der Prämisse einer Planungssicherheit von zwölf Jahren für die Industrie sowie Verbraucherinnen und Verbraucher, entspräche dies einer Fläche von 600 ha Neugenehmigungen. Dies würde im Umkehrschluss zu bis zu 1.000 ha neuer und durch die Industrie finanzierter, renaturierter Moorfläche führen. Neben dem geringen Flächenbedarf ist das verwendete Nasstorfverfahren für Anlieger und Umwelt vorteilhaft. Zum einen muss der Torf nicht vollständig getrocknet werden, so dass kaum Staub in der Produktion anfällt. Zum anderen verringert sich durch dieses Verfahren die Abbauzeit, sodass eine Wiedervernässung der Fläche mit allen ökologischen Vorteilen schneller erfolgen kann.

Da es bisher, trotz einiger Versuche, keine funktionierende, marktfähige Alternative zu Torf in Champignondeckerden gibt, wäre ein zeitnaher Ausstieg für die lokale Champignonindustrie nicht verkraftbar. Daher braucht es weitere, neue Genehmigungen für den Abbau von Nasstorf, um die Versorgungssicherheit mit den Produkten zu gewährleisten, bis es eine funktionierende Alternative gibt. Solange dies nicht der Fall ist, wird kein vollständiger Ausstieg aus der Nutzung von Torf in der Champignonindustrie erfolgreich sein.

Fehlende Verfügbarkeit von Alternativen bedroht den Fortbestand der Industrie

Alternative Stoffe, die flächendeckend den Einsatz von Torf reduzieren könnten, sind für diesen spezifischen Anwendungsfall bisher nicht verfügbar oder konnte bisher nicht die gewünschten Ergebnisse liefern. Ein Testversuch des Fraunhofer-Instituts mit alternativen Deckerden soll zwar 2023 beginnen. Mit einer Serienreife ist in absehbarer Zeit jedoch nicht zu rechnen[1]. Gleichzeitig verfügt die Industrie nur noch über eine Flächenreserve von wenigen Jahren, sodass realistisch die zukünftige Produktion von Champignons in Deutschland nur mithilfe neuer Abbauvorhaben von Nasstorf garantiert werden kann.

Deutschland gehört mit einem Produktionsvolumen von 81.000 Tonnen neben Frankreich (81.000 Tonnen), Spanien (130.700 Tonnen), den Niederlanden (245.000 Tonnen) und Polen (300.000 Tonnen) zu den größten europäischen Produzenten von Champignons[2].

Auch die bei der Produktion eingesetzten Rohstoffe stammen größtenteils aus Deutschland. Somit besteht für den Fall, dass Deutschland bei der Reduktion des Torfeinsatzes nicht auf die Besonderheiten bei der Champignonproduktion Rücksicht nimmt, das Risiko einer Verlagerung der Produktionskapazitäten in das europäische Ausland.

Aufgrund dieser Ausgangslage bedarf es einer differenzierten Herangehensweise bei der Reduktion des Torfeinsatzes in der Nahrungsmittelindustrie. Denn statt pauschaler Reduktionsquoten müssen die einzelnen Anwendungsbereiche unter den Gesichtspunkten der Versorgungssicherheit und der grundsätzlichen Verfügbarkeit von Alternativen bewertet werden. Dies erfolgt bei anderen Torfprodukten – wie Hobby- und Profisubstraten – schon heute.

Nur auf diesem Weg kann eine Reduktion erfolgen, die realistische Ziele erreichen kann, keine Probleme bei der Verfügbarkeit von grundlegenden Nahrungsmitteln kreiert und einen ökologischen Boomerang-Effekt vermeidet. Denn in der bisherigen Diskussion wird überhaupt nicht berücksichtigt, dass bei einem Verzicht auf Torf die kurzen und dadurch umweltschonenden Lieferketten komplett zerstört werden würden, wodurch sich der CO2-Ausstoß durch längere Transportwege aus dem Ausland massiv erhöhen würde und es alternative Lösungen für die Wiedervernässung der Flächen geben müsste.


[1] Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme

[2] Groupement Européen des Producteurs de Champignon (GEPC)

Zusammenfassung

  • Es gibt keine marktfähigen Alternativen zu Torf in Champignondeckerden. Ein zeitnaher Ausstieg ist existenzbedrohend für die vor Ort verwurzelte Champignonindustrie. Es braucht weitere Genehmigungen für den Abbau von Nasstorf für Champignondeckerden.
  • Für Champignondeckerden bedarf es pro Jahr nur 50 ha Abbaufläche. Diese Flächen wurden zuvor landwirtschaftlich genutzt. Ein Abbau stellt die Wiedervernässung sicher und dank NABU-IVG-Konzept werden darüberhinausgehende Klimakompensationen durchgeführt. Dadurch wird mittelfristig mehr CO2 gebunden als ausgestoßen. Bei einem Verlust der Industrie müsste die öffentliche Hand diese Aufgabe zusätzlich übernehmen.
  • Die Politik muss mit der Industrie daran arbeiten Alternativen zum Torf in Champignondeckerden zu entwickeln. Solange dies nicht der Fall ist, wird kein vollständiger Ausstieg aus der Nutzung von Torf in der Champignonindustrie erfolgreich sein.