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Perspektive

Substratproduktion der Zukunft

Die Ergebnisse einer durch den IVG beauftragten Studie lassen für den Torfabbau in Deutschland einen deutlichen Rückgang der Abbauflächen und Abbaumengen erwarten. Die in Deutschland benötigte Menge an Substraten und Erden beträgt derzeit rund 11 Mio. m³. Die Lücke zwischen dem in Deutschland gewonnenem Rohstoff Torf und dem Bedarf wird also zukünftig immer größer.(1) Die Erden- und Substratwerke sind seit über 30 Jahren in der Erforschung von alternativen Rohstoffen engagiert. Dennoch müssen seit den 1990er-Jahren zunehmend Rohstoffe, insbesondere Weißtorf aus dem Baltikum importiert werden. Der verstärkte Einsatz von alternativen Rohstoffen wird auch in Zukunft in starker Konkurrenz zu den subventionierten erneuerbaren Energien stehen. Hier sind politische Signale für die stoffliche Verwertung nötig.

Der inzwischen international bekannte Begriff Paludikultur (von „palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) wurde in Greifswald entwickelt und geprägt.(2) Bei dieser Form der Landwirtschaft auf nassen Moorflächen werden Pflanzenarten kultiviert, die einen hohen Wasserstand aushalten. Dazu zählen Erlen, Rohrkolben, Schilf aber eben auch Torfmoose. Die wiedervernässten Moorflächen sondern kein CO2 mehr ab und dienen der Produktion von Biomasse zur Energiegewinnung oder zur stofflichen Verwendung. Der stofflichen Verwendung ist aus Sicht der Substratindustrie und auch aus Sicht des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und des Klimaschutzes der Vorzug zu gewähren.

Das "Sphagnum farming" wird seit 2004 von der Torfindustrie in Zusammenarbeit mit der Universität Greifswald (Greifswald Moor Centrum), dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entwickelt. Hier könnte eine Perspektive für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf Torfstandorten unter nassen Bedingungen (Paludikultur) entstehen. Bei den Torfmoosen gibt es noch keine gezüchteten Sorten oder Kultivare, sodass bisher nur die Wildformen genutzt werden. Diese bringen aktuell Erträge zwischen 3 und 7 t Trockenmasse (TM) pro Hektar und Jahr, was noch keine Wirtschaftlichkeit darstellt.(3) In diesem Bereich muss also weiter geforscht und gefördert werden. Für die Zukunft stellt die Paludikultur aber eine vielversprechende Option als Einnahmequelle für die Landwirtschaft und als Rohstofflieferant für die Branche dar.

Einem Mangel an Substratausgangsstoffen könnten in den kommenden Jahrzehnten verschiedene Maßnahmen entgegengesetzt werden:

  • der Einsatz von alternativen Rohstoffen
  • die Erschließung neuer Abbauflächen
  • Investition in Forschung & Entwicklung
  • Anbau & Entwicklung von nachwachsenden Rohstoffen



(1) Schmatzler, E. (2012): Die Torfindustrie in Niedersachsen - Ergebnisse einer Umfrage zur Zukunft der Torfgewinnung in Niedersachsen, TELMA, Bd. 42, S.27-42. Hannover
(2) Greifswald Moor Centrum
(3) Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)